Die Wanderung zu den drei Brunnen: Gaume im Herbst unter den Füssen
Zwischen rauschenden Wäldern und murmelnden Quellen führt ein versteckter Pfad ins wilde Herz der Gaume. Hier ist die Wanderung zu den drei Brunnen – ein perfekter Herbstspaziergang durch die Saison.

Der Start, wo alles beginnt
Am Eingang zur Wanderung der drei Brunnen sucht man bei Sommethonne an, einem kleinen Gaume-Dorf, dessen Gassen zwischen Himmel und Erde zu schweben scheinen. Der Weg beginnt am Dorfplatz, gesäumt von niedrigen Steinbauten mit roten Ziegeldächern. Schon nach den ersten Schritten stellt sich eine besondere Stimmung ein: die Luft ist frisch, durchzogen vom Duft der ersten herabgefallenen Blätter. Hier dehnt sich die Zeit, als hätten die Dörfer der Gaume ein Tempo bewahrt, das die Städte längst aufgegeben haben.
Die Brunnen, Botschafter des Wassers und der Zeit
Der Pfad windet sich zuerst zwischen Feldern hindurch, die noch vom letzten Septemberlicht vergoldet werden. Dann geht es sanft bergan durch ein Mischwald aus Buchen und Eichen, bis die ersten Quellen auftauchen. Es sind nur dünne Rinnsale, die durch das Moos brechen, kaum hörbar, doch genug, um daran zu erinnern, dass diese Region auf einem grosszügigen Grundwasservorkommen liegt. Die Einheimischen sagen, die drei Brunnen hätten ihren Namen von drei Hauptquellen, die in einem abgelegenen Tal entspringen. Dort bildet das Wasser natürliche kleine Becken, bevor es zur Ton fliesst.
Hier, in dieser versteckten Mulde des Waldes, begreift man, warum die Gaumais einst Steinsäulen an diesen Wasserstellen errichteten. Sie dienten einst als Wegmarkierungen für Reisende und als Rastplätze für Wanderer. Noch heute fühlt es sich magisch an, sich auf einen dieser Steine zu setzen, die Füsse im eiskalten Wasser, das aus dem Boden sickert – und einfach zuzuhören, wie die Blätter umherwirbeln. Die Förster nennen diesen Ort den „Atem der Gaume“, als würden Wasserläufen und Wind hier flüsternd schwatzen, was anderswo unerhört bleibt.
Der Herbst, die perfekte Komplizin
Im September bietet die Wanderung zu den drei Brunnen ein Schauspiel, das nur diese Jahreszeit schenkt. Wilde Heidelbeeren, die noch an den Rändern des Waldes hängen, zieren das Unterholz mit violetten Tupfern. Farne, die schon an manchen Stellen vergilben, lassen Raum für den Wildwuchs von Pilzen, der bald sprießt. Und auf den Lichtungen ragen Schachtelhalme wie gespenstische Wächter in den Himmel.
Die Glücklichsten könnten sogar ein Reh erspähen, das in dieser Zeit aus den Höhen kommt, um an den Quellen zu trinken – bevor die Brunftzeit beginnt. Ihre diskrete Anwesenheit erinnert daran, dass diese Region, trotz ihrer Nähe zu grossen Verkehrsachsen, ein Refugium für noch weitgehend unberührte Tierwelt bleibt. Manche Historiker vermuten, Gaume sei eines der letzten Wolfsreviere Belgiens gewesen; ob wahr oder nicht – dieses Gefühl von Wildnis bleibt entlang dieser Pfade spürbar.
Die Rückkehr, wo die Landschaft sich um dich schließt
Der Rundweg endet elegant in einer Schleife und führt den Wanderer auf einem neuen Weg zurück nach Sommethonne. So sieht man das Dorf aus einer anderen Perspektive, als würden die Häuser neu entdeckt werden. Die letzten Nachmittagsstrahlen malen die Trockensteinmauern und blauen Fensterläden mit einer fast greifbaren Gelassenheit.
Bei der Rückkehr nach Sommethonne spürt man auch die Vorboten des lokalen Herbstes: Körbe mit unregelmässigen Äpfeln vor einer Scheune, ein altes Traktorfahrzeug neben einer Remise – oder den Duft eines traditionellen Backofens, in dem Tourten gebacken werden. An solchen Tagen zeigt sich die Gaume in ihrer ganzen Fülle: eine Verbindung aus grosszügiger Natur und einem Dorfleben, das fest in der Zeit verwurzelt ist.
Eine Wanderung, die ihre Geheimnisse ehrt
Der Pfad der drei Brunnen findet die ideale Balance zwischen Mühelosigkeit und Mystik. Man braucht keine particolare Kondition, wird aber belohnt, wenn man innehält, lauscht und über das Pfad hinausschaut. Die Route erinnert auch daran, dass dieser südlichste Zipfel Belgiens ein offenes Buch ist, dessen Seiten es zu entziffern gilt. Und wenn der Herbst einkehrt mit seinen Farben und Morgendünsten, werden aus diesen Wegen die schönsten Seiten einer Geschichte, die die Gaume seit Jahrhunderten erzählt.
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