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Province de Luxembourg (BE)2 Min. Lesezeit

Die Saint-Bertrand-Wanderung: Pilgerwege in der Gaume

Jeden September erklingen in den Dörfern der Gaume bei der Saint-Bertrand-Wanderung Gesänge und Gebete. Eine lebendige Tradition, in der Glaube und Landschaft verschmelzen.

La Marche de Saint-Bertrand : sur les pas des pèlerins en Gaume

Eine Wallfahrt, die Dörfer verbindet

Bei Tagesanbruch bricht ein farbenfroher Zug von Chiny aus in Richtung der Abtei Orval auf. Männer, Frauen und Kinder, einige mit bestickten Bannern, andere einfach mit Kerzen in der Hand, ziehen im Gleichschritt über die von Hecken gesäumten Hohlwege. Die Saint-Bertrand-Wanderung, seit Jahrhunderten in der Gaume gefeiert, ist mehr als nur ein Akt der Andacht: Sie ist ein Moment, in dem sich die Dörfer um ein gemeinsames Erbe scharen. Pfarrgemeinden aus Florenville, Étalle oder Virton entsenden ihre Vertreter und verwandeln diesen Umzug in ein großes menschliches Fresko, in dem Jung und Alt zusammentreffen.

Lokale Überlieferungen verweisen auf mittelalterliche Ursprünge, verbunden mit der Verehrung des heiligen Bertrand, Schutzpatron der Reisenden und Ernten. Doch jenseits des Spirituellen wird die Wanderung zu einem Loblied auf die Gaume selbst. Die Pfade schlängeln sich durch Felder, Wälder und Dörfer und bieten den Wanderern immer wieder neue Landschaften: die sanften Hügel von Torgny, die Wiesen von Latour, die Buchenwälder von Chiny. Unter den Füßen erzählt der Boden von Geschichte, wo jeder Stein eine Geschichte zu erzählen scheint.

Ein Rhythmus, der der langen Zeit entspricht

Im Gegensatz zu den dynamischen Prozessionen in Städten zeichnet sich die Saint-Bertrand-Wanderung durch ihre gemessene Langsamkeit aus. Pausen sind häufig und werden durch Gebete oder Gesänge im Gaumais, dem lothringischen Dialekt mit seinen melodischen Klängen, geprägt. Ältere Menschen behaupten, dass dieses Tempo es den Teilnehmern einst ermöglichte, sich auszuruhen, aber auch jeden Moment der Reise bewusst zu erleben. Heute bietet es den Zeitgenossen eine Auszeit außerhalb der Zeit, in der man dem Wind in den Blättern oder dem Murmeln eines Baches lauschen kann.

Auf halber Strecke markiert eine symbolische Etappe einen Höhepunkt: die Ankunft an einem Wegekreuz oder einer Votivkapelle, die für diesen Anlass oft mit Blumen geschmückt ist. Kinder legen Blumen nieder, Erwachsene entzünden Kerzen. Hier versammelt sich die Gruppe zu einem Moment der Besinnung, bevor es weitergeht, entschlossener als zuvor. Die Organisatoren betonen, dass es bei der Wanderung nicht nur darum geht, Orval zu erreichen: Sie ist eine Reise an sich, eine spirituelle Vorbereitung, bei der jeder sein eigenes Tempo geht.

Zwischen Glauben und lokalen Produkten: eine Tradition, die Bestand hat

Es ist kaum vorstellbar, dass es die Gaume heute ohne diese Wanderung gäbe. Dennoch geben die Organisatoren zu, dass ihre Zukunft davon abhängt, ob sie zugänglich bleibt. Freiwillige, oft enge Mitglieder der Pfarreien, sorgen dafür, dass die Prozession nicht zu einem erstarrten Brauchtum wird. Sie laden Neuankömmlinge ein, mit ihren eigenen kulturellen Besonderheiten teilzunehmen und verwandeln die Wanderung so in einen Schmelztiegel der Traditionen.

Für die Dorfbewohner ist dieser Tag auch eine Gelegenheit, lokale Köstlichkeiten zu probieren. Entlang des Weges bieten Händlerstände Produkte wie Gaume-Honig, Touffaye oder hausgemachte Marmeladen an. Der Duft von frisch gebackenem Brot und Pralinen-Torten vermischt sich mit dem Aroma frisch gemähten Luzerne-Felder. Selbst diejenigen, die nicht an der Wanderung teilnehmen, bleiben stehen, um den Umzug zu bewundern – ein Schauspiel, das allein schon die Botschaft dieses Tages verkörpern würde: Die Gaume, ein Land des Teilens.

Und morgen?

Während einige einen Niedergang der ländlichen Traditionen befürchten, hat es die Saint-Bertrand-Wanderung geschafft, sich neu zu erfinden. Die jüngere Generation übernimmt eine immer größere Rolle und bringt Musikinstrumente, Fotos oder sogar Videoaufnahmen mit. Soziale Medien werden genutzt, um benachbarte Körperschaften einzuladen, sich zu beteiligen: Lothringen in Frankreich und sogar Luxemburg, wo ähnliche Wanderungen stattfinden, schicken manchmal Delegationen.

Vielleicht liegt hier das Geheimnis dieser Prozession: Sie beschränkt sich nicht auf ihren Ausgangs- oder Zielpunkt. Sie dehnt sich aus wie die Feldlinien, von einem Dorf zum nächsten, von einer Generation zur nächsten. Und jedes Jahr zur gleichen Zeit trifft man sich wieder auf den Wegen – mit der Gewissheit: Der heilige Bertrand wacht über uns, und mit ihm die Seele der Gaume.

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