Gîtes-Gaume
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Province de Luxembourg (BE)2 Min. Lesezeit

Viadukte unter fallendem Laub: Auf Gaumes verschwundenen Gleisen wandern

Ende Oktober lassen die Buchen ihre letzten kupfernen Blätter auf altem Bahnschotter fallen. Unter den steinernen Bögen ertönt kein Pfiff mehr — nur der Schritt des Wanderers und der Wind in den Tunneln.

Les viaducts sous les feuilles : marcher sur les rails disparus de la Gaume

Schotter unter den Buchen

Man wandert durch den niedrigen Oktobernebel zwischen Virton und den Dörfern im Süden. Der Weg ist breit, eben, gesäumt von altem Niederwald, den die Buchen mit kupferfarbenen Kronen überragen. Unter den Füßen eine harte, gleichmäßige Fläche: keine Straße, kein Erdpfad. Es ist das Bett einer alten Eisenbahnlinie, nach dem RAVeL-Programm zum öffentlichen Weg umgewandelt.

Der letzte Zug hat längst gepfiffen. Die Schienen wurden herausgerissen, die Schwellen fortgeschafft. Aber die Geometrie ist geblieben. Die endlose Gerade, die sanfte Kurve über dem Hügelkamm, der in den Kalkstein geschlagene Einschnitt. Die Gaume geht heute dort, wo man einst Erz, Zuckerrüben und Bauern zum Nachbarbahnhof brachte.

Steinbögen, Mäuler aus Dunkelheit

Was diese Wege vor allem bewahren, sind die Bauwerke. Viadukte mit zwei oder drei Bögen, über einen Bach geworfen, der unter dem Gestrüpp kaum zu sehen ist. Kalkbruchsteine, mit uhrwerkhafter Regelmäßigkeit gesetzt, patiniert von einem halben Jahrhundert Regen und Flechte. Man erkennt sie jetzt, wo das gelichtete Blätterdach das Licht durchlässt: Der Bogen zeichnet sich scharf gegen den tiefhängenden Himmel ab.

Und dann die Tunnel. Kurz, niedrig gewölbt, in die Ader des blau-grauen Steins geschlagen. Wer sie durchquert, spürt eine jähe Abkühlung der Luft, hört den eigenen Atem als Echo vom anderen Ende zurückkehren. Der Kalkstein der Gaume, der in Brüchen für Kirchen und Bauernhöfe geschlagen wurde, trug auch diese industriellen Durchbrüche. Derselbe Felsblock, zwei Schicksale.

Einige stillgelegte Stationsgebäude stehen noch am Rand der Trasse. Vermauerte Fenster, Dächer aus Maschinenziegeln, Emailleschilder von den Jahreszeiten ausgebleicht. Privatbesitz oder unter Efeu verschwunden. Sie bewahren die exakte Form des Wartens: ein Ort, an dem man auf den Zug nach Luxemburg, nach Longwy, zur Kreisstadt wartete.

Der Schritt des Wanderers, der einzige verbleibende Klang

Ende Oktober schwindet das Licht bereits nach vier Uhr nachmittags. Der Himmel der Gaume zieht eine einheitliche Decke vor, grau und sanft. Auf dem RAVeL überholen einige Radfahrer in Warnwesten den Fußgänger. Der Rest ist raschelndes Laub, ein Eulenschrei im Buchenwald, das Plätschern des Bachs unter dem Bogen.

Das ist die ideale Jahreszeit für diese Wege. Nicht das Gedränge der warmen Tage, nicht der Schlamm des Januar. Die Blätter fallen eins nach dem anderen und entblößen das Mauerwerk, machen Mörtelfugen sichtbar, Wurzelklauen, die den Restschotter aufbrechen. Jede Kurve der alten Trasse eröffnet eine überraschende Ansicht: ein Kirchturm, eine Wiese, die dunkle Linie der lothringischen Fichten in der Ferne.

Hier zu wandern bedeutet, eine Geografie zu lesen, die vor einem Jahrhundert andere mit Eisenwerkzeug und Sprengpulver gezeichnet haben. Die Gaume hat den Zugpfiff nicht vergessen. Sie hat ihn einfach im Rauschen der fallenden Blätter auflösen lassen.

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